3. Naturwissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1921-06-04_02/p033 ·1921-06-04 · original (original)
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Keine phantasievollen Vorstellungen, keine phantastischen Vorstellungen! Imaginatives Erkennen ist ein Erfülltsein des Bewußtseins mit Bildern, die in derselben Weise in der Seele anwesend sind wie die mathematischen Gestaltungen und Formeln. Und in diesem freien Handhaben der übersinnlichen Wirklichkeit, die man von jeder [physischen] Realität ebenso unterscheidet, wie man das Dreieck, welches man mit der Kreide auf die Tafel aufgezeichnet hat, als ein bloßes Symbolum mit vollem inneren Bewußtsein [von dem rein geistigen Begriff des Dreiecks] unterscheidet. Indem man in diesem imaginativen Leben der Seele nun selber etwas verharren kann, kommt man dazu, tatsächlich das Seelenleben kennenzulernen als etwas, was sich losreißen kann vom Leibe. Wir sind im gewöhnlichen Leben so - das lernt man erst dann recht erkennen, wenn man solche Übungen macht -, daß unser Leben gebunden ist an das Nervensystem und an den sonstigen Organismus. Wir sehen, daß, unabhängig vom Organismus, das Seelisch-Geistige in sich selber verläuft, und daß sich das Seelisch-Geistige mit Bildern erfüllen kann. Dadurch erst lernt man das meditative Leben kennen. Diese Bilder sind durchaus so wie die Gedächtnisbilder - nicht wie die Halluzinationen. Es ist nicht wahr, daß man mit so etwas wie Halluzinationen oder Visionen erfüllt ist, wenn man anthroposophisch forscht, sondern man lernt gerade an dem Dasein des Gedächtniswesens das Neuartige, die neue Art des Inhaltes kennen, in welcher die Bilder des imaginativen Erkennens oder imaginativen Bewußtseins auftreten. Aber man weiß auch, daß man jetzt nicht mehr sagen kann, wenn diese Bilder auftreten: Ich imaginiere, also bin ich nicht - wie man es beim Denken sagen kann.

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