3. Naturwissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1921-06-04_02/p034 ·1921-06-04 · original (original)
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Jetzt begegne ich, indem ich zum Imaginieren aufsteige, in einer merkwürdigen Weise dem, was ich zuerst in der Außenwelt kennengelernt habe - ich begegne der Notwendigkeit. Ich kann im Imaginieren meine Bilder bilden, aber ich kann sie nicht gegenüber einer neuen Welt, die jetzt auftritt, in einer beliebigen Weise hin- und herwürfeln. Ich sehe mich nach und nach gedrängt, diese Bilder, die da bei mir auftreten im imaginativen Leben, auf eine neue Welt, die ich da kennenlerne, auf eine geistige Welt zu beziehen. Ich lerne erkennen: Ich muß dieses Bild, das ich zunächst vorbereitet habe, als eine Frage irgendeiner Tatsache der geistigen Welt gegenüberstellen und komme durch dieses Bild, das ich mir ja aufgebaut habe, in einen Zusammenhang mit dieser Welt hinein. Ich gelange durch die bewußt hergestellten Bilder des Imaginierens an eine geistige Welt heran, wie ich durch die Bilder, die meine Augen erzeugen, oder die Tonbilder, die meine Ohren herstellen, zum Wechselverkehr mit der sinnlichen Außenwelt komme. Diese letzteren Bilder, die ja erzeugt werden in Auge und Ohr, werden ohne meine Willkür erzeugt. Was in der Imagination als Bildwelt erzeugt wird, das wird allerdings nach einer solch eingehenden Schulung erlangt, wie ich es eben in den genannten Büchern «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und so weiter dargestellt habe. Aber man erlangt dadurch eine Möglichkeit, der geistigen Welt etwas entgegenzuhalten an innerer Betätigung, genauso wie unsere Sinne in der Augentätigkeit, in der Ohrentätigkeit der äußeren, natürlichen Welt etwas entgegenhalten können, damit wir von ihr Bilder erhalten. Was uns also die geistigen Welterkenntnisse erschließen soll, das muß erst in uns entwickelt werden, das muß erst aus den Tiefen der Seele heraufgeholt werden. Und das geschieht in der ersten Stufe des übersinnlichen Erkennens, in dem imaginativen Bewußtsein. Aber es ist bedeutsam, daß wir da eben hineinkommen in eine Art von Notwendigkeit. Und wir lernen jetzt erst um so mehr dasjenige erkennen, was eigentlich Freiheit ist.

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