{"corpus":"steiner","locus":"GA 75/1921-06-04_02/p042","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir aber in uns den Blick zurückrichten, so sehen wir jetzt gewissermaßen durch den Spiegel hindurch, so wie wir, wenn wir einen realen Spiegel hätten und ihn durchstoßen oder etwas von dem Belag wegnehmen würden, durch den Spiegel hindurchsehen könnten. Und da tritt uns im Inneren nicht das entgegen, wovon die nebulosen Mystiker schwätzen; da tritt uns etwas ganz anderes entgegen, denn die Seele hat mancherlei erlebt, bis sie sich da in dem Innern mit irgendeiner Gottheit zu vereinen glaubt. Sie sprechen von den göttlichen Manifestationen im Ich. Sie sprechen von irgend etwas, was sie da erträumen. Wer aber mit wirklicher Geisteswissenschaft in sein Inneres eindringt, kommt zu etwas ganz anderem. Er kommt dazu, gerade dasjenige materiell zu sehen, was ihm sonst seelisch gegeben ist. Sonst ist ihm seelisch gegeben sein Denken, sein Fühlen, sein Wollen, sein Wünschen, seine Begehrungen; jetzt sieht er durch alles das hindurch, was er doch mehr oder weniger mit dem Gedächtnis zusammenhängend empfindet, und er sieht in die eigentliche innere Gesetzmäßigkeit seines Organismus hinein. Er lernt seinen Organismus kennen. Er wird nicht faseln und schwafeln von dem, wovon nebulose Mystiker faseln und schwafeln, sondern er redet von der eigentlichen Natur der Leber, der Lunge, des Magens, die er durch inneres Schauen kennenlernt. Er kann sein inneres Schauen hinzufügen zu dem, was die gewissenhafte äußerlich-physikalische Anatomie gibt. Da sehen Sie die Möglichkeit, zu einer wirklichen Wissenschaft der Pathologie aufzusteigen. Da sehen Sie, wie diejenige Geisteswissenschaft, die sich nicht zu nebuloser, zu faseliger Mystik hinwendet, sondern die von exakten Methoden ausgeht, wirklich sich hineinbegeben kann in das ganze Gebiet der Wissenschaften. Ja, man lernt noch viel mehr kennen. Vor allen Dingen erkennt man, daß selbst bei den ja selbstverständlich so großartig klingenden Mystikern, selbst bei der heiligen Therese oder bei Mechthild von Magdeburg, daß da eben im Grunde genommen körperlich abnorme Zustände mitspielen. Man lernt erkennen, wie abnorme, sagen wir Leber-, Milzfunktionen und so weiter dasein können, aus denen aufsteigen aus einem unvollkommenen, unharmonischen Funktionieren diejenigen Bilder, die wir in der Mystik sonst so bewundern.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"3. Naturwissenschaft und Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1921-06-04","location":null,"word_count":339,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1921-06-04_02/p042","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1921-06-04_02/p042"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/75/1921-06-04_02/p042","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"unit_kind":{"kind":"second_lecture_same_day","base_unit":"GA 75/1921-06-04","note":"Another lecture given on the same date as 1921-06-04; the suffix only separates two lectures of one day."}}