{"corpus":"steiner","locus":"GA 75/1921-06-04_02/p044","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Indem wir in der Naturwissenschaft von der Außenwelt an den Menschen herantreten und indem die geisteswissenschaftlich-anthroposophische, die volle Menschenerkenntnis gegen das Naturgebiet hin geht, ergibt sich uns das, was den Menschen erleben läßt jenen Zusammenklang von Geist und Materie, den er erleben muß, wenn er voll im entsprechenden Sinne Mensch sein will. Er kommt an den Punkt, wo er aus einem inneren Drange heraus - eigentlich vom inneren Fühlen und Wollen aus- unmittelbar hinüberschreitet zum Erkennen. Es geht daraus hervor, daß wir ohne dieses Erkennen uns immer genötigt sehen, zu appellieren an eine atomistische Welt, und daß wir so nicht wirklich an das Innere des Materiellen herankommen. Lernen wir immer mehr das Materielle erkennen, dann lernen wir auch die Natur des Geistigen äußerlich erkennen. Wir lernen wirklich, jene Brücke zu schlagen, welche uns erkennend führt vom Geist zur Materie, von der Materie zum Geist. Wir brauchen nicht zu glauben, daß es damit möglich sei, auf einmal alle Weltenrätsel zu lösen. Schwachmütige Naturen mögen vielleicht sagen: Das Leben des heutigen Menschen muß ein tragisches sein, kommt er doch unweigerlich an Grenzen des Erkennens, die ihn die Weltenrätsel als unlösbar erscheinen lassen. — So ist es nicht. Wenn wir in dieser Weise aufsteigen und das geistige Leben kennenlernen, wie es wirklich ist, wie es gewissermaßen blitzartig in uns hineinschießt und wie auf der anderen Seite die materielle Welt uns wieder entgegentritt, wenn wir mit wirklichem Erkenntnisvermögen der Welt entgegentreten, dann lernen wir im Grunde genommen, indem wir aufsteigen zu einer solchen Erkenntnis, nicht etwas erleben, was uns von vornherein ins Faulbett trägt gegenüber dem Erkennen, sondern wir lernen den Kampf erkennen, in den wir hineinverwoben sind als Menschen. Der Mensch sieht, wie er draußen lebt in den Kämpfen geistiger Welten und Wesenheiten, wie er durch die sittliche Welt, die religiöse Welt an diesem Kampf teilnimmt, wie er das soziale Leben herausholt aus diesem Kampf. Er lernt etwas kennen, was die innere Seelenverfassung nicht sozusagen veroberflächlicht im Lösen der Weltenrätsel, was sie im Gegenteil vertieft.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"3. Naturwissenschaft und Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1921-06-04","location":null,"word_count":332,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1921-06-04_02/p044","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1921-06-04_02/p044"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/75/1921-06-04_02/p044","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"unit_kind":{"kind":"second_lecture_same_day","base_unit":"GA 75/1921-06-04","note":"Another lecture given on the same date as 1921-06-04; the suffix only separates two lectures of one day."}}