{"corpus":"steiner","locus":"GA 75/1921-06-04_02/p045","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und das, meine sehr verehrten Anwesenden, will im Grunde genommen Anthroposophie. Sie ist der Weg, der Naturwissenschaft entgegenzukommen. Wer vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus oder - an die Naturwissenschaft anschließend - vom philosophischen Standpunkte aus Anthroposophie bekämpfen will, kämpft gegen Windmühlen, denn auf all das, was von Naturwissenschaft in berechtigter Weise vorgebracht wird, geht Anthroposophie ein; da kann sie dem, was durch eine solche Naturwissenschaft und eine solche Philosophie errungen werden kann, durch volle Erkenntnis nur entgegenkommen. Man hat diese volle Erkenntnis aber nicht gewollt. Durch lange Zeiten hindurch hat es das neuere Geistesleben, das neuere Zivilisationsleben zu dem gebracht, was da bekannt geworden ist in der letzten Zeit als Agnostizismus. Immer wieder und wieder haben diejenigen Denker, die nicht zu einer Fortbildung des Denkens kommen wollten, die sich nicht in die Welt des Imaginativen, Inspirierten und Intuitiven begeben wollten, von einem Ignorabimus geredet und damit etwas vor die Menschen so hingestellt - was eben bezeichnend ist -, daß es als ein Nicht-Erkennbares, Nicht-Durchschaubares gelten muß. Weil aber der Mensch immerfort weiß, ich bin Geist, ich bin Seele, so müßte er eigentlich in der Lage sein, den geistigen Ursprung zu unterscheiden von der nebulosen Mystik und dergleichen. Von alledem, was im wahrsten Sinne des Wortes Aberglaube ist auf den verschiedenen Gebieten des Lebens, von alledem liegt die Ursache nicht in der nach Klarheit trachtenden, nach exakter Naturwissenschaft trachtenden Anthroposophie, sondern der Ursprung von dem liegt bei dem Ignorabimus, in dem Agnostizismus. Diese schufen den «faseligen» Mystizismus. Gerade das Ignorabimus führt zum Agnostizismus, weil der Mensch den Geist immerfort suchen muß. Vom Ignorabimus und vom Agnostizismus gehen alle nebulosen Bewegungen aus.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"3. Naturwissenschaft und Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1921-06-04","location":null,"word_count":269,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1921-06-04_02/p045","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1921-06-04_02/p045"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/75/1921-06-04_02/p045","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"unit_kind":{"kind":"second_lecture_same_day","base_unit":"GA 75/1921-06-04","note":"Another lecture given on the same date as 1921-06-04; the suffix only separates two lectures of one day."}}