6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Aber auch in sachlicher Beziehung liegen ja gerade bei dem heutigen Thema gewisse Schwierigkeiten vor. Die erste besteht darin, daß in weitesten Kreisen heute, gerade wenn über das Thema gesprochen wird - über das Verhältnis von Wissenschaft und Anthroposophie in irgendeiner Beziehung -, dann sofort ein weit verbreitetes Vorurteil auftaucht, nämlich, daß die hier gemeinte Anthroposophie sich in irgendeine Oppositionsstellung begeben wolle zur Wissenschaft - zu dieser Wissenschaft wie sie sich heraufentwickelt hat in der Geschichte der Menschheit in den letzten Jahrhunderten, wie sie ihre Höhe ja erreicht hat im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, wenigstens in bezug auf die Denkweise und Methodologie. Es ist aber eben durchaus nicht der Fall, daß eine solche Oppositionsstellung vorliegt, denn diese Anthroposophie, wie ich sie hier meine, bemüht sich gerade darum, die besten prinzipiellen Grundlagen des wissenschaftlichen Wollens der neueren Zeit zur Geltung zu bringen. Und sie ist bemüht, daß gerade das weiter ausgebaut werde, was vorausgesetzt werden muß an menschlicher Anschauung, an wissenschaftlicher menschlicher Gesinnung, um im echten Sinne gerade die Anerkennung gebräuchlicher Wissenschaft zur Geltung zu bringen.