6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1922-05-11/p012 ·1922-05-11 · original (original)
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Sie alle wissen ja, welche Umwandlung einfach in bezug auf das äußere wissenschaftliche Leben die Philosophie durchgemacht hat. Sie umfaßt - eigentlich sogar noch im heutigen Zeitalter — den ganzen Umfang dessen, was wissenschaftlich Erkenntnis war. Die Philosophie war doch einfach als menschliche Betätigung etwas, auf das schon der Name mit einem gewissen Recht hindeutet. Philosophie war etwas, was nicht bloß aus dem menschlichen Intellekt herausfloß, was nicht bloß aus der Beobachtung und dem Experiment herausfloß, obwohl sich die Philosophie auch auf die Ergebnisse erstreckte, zu denen Intellekt, Beobachtung und auch das primitive Experiment kommen konnten. Philosophie war wirklich dasjenige, was in einem viel höheren Grade als unsere heutige Wissenschaft - wiederum in berechtigter Weise —, aus dem ganzen Menschen herauskam. Philosophie kam schon heraus aus einer gewissen Gemüts- und Gefühlsbeziehung des Menschen zur Welt, und man zweifelte in dem Zeitalter, das auch der Philosophie den Namen gegeben hat, nicht daran, daß der Mensch zu einer gewissen Objektivität in der Erkenntnis auch dann kommen kann, wenn er nun nicht bloß aus Experiment, Beobachtung und Intellekt heraus seine Erkenntnisse sucht, sondern wenn er andere Kräfte anwendet - Kräfte, die mit demselben Worte auszudrücken sind, mit dem wir das «Lieben» von etwas bezeichnen -, wenn er sich also dieser Kräfte bedient.

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