6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Warum tun wir das? Warum wir es tun, meine sehr verehrten Kommilitonen, das liegt eigentlich schon im dem, was ich eben gesagt habe. Es liegt darinnen, daß wir uns, indem wir Mathematik treiben, lediglich innerhalb unseres eigenen seelischen Erlebens betätigen, daß wir ganz in uns bleiben. Ich glaube, daß diejenigen, welche sich im speziellen den mathematischen Studien ergeben haben, mir recht geben werden, wenn ich sage: In bezug auf das innere Erlebnis ist das Mathematische, das Mathematisieren etwas, was für den, der es aus innerer Fähigkeit und Anlage, aus innerem Enthusiasmus möchte ich sagen, betreibt, viel mehr Befriedigung geben kann als alles übrige Erkennen der Außenwelt, einfach aus dem Grunde, weil man Schritt für Schritt unmittelbar verbunden ist mit dem, was man als wissenschaftliches Ergebnis hat. Und wenn man dann in der Lage ist, das einem von außen Entgegentretende zu verbinden mit dem, dessen ganzen Aufbau man kennt, dessen ganzen Aufbau man selber gemacht hat, so fühlt man eben in dem, was sich aus dem Verwobensein von äußerlich Gegebenem und mathematisch Erarbeitetem wissenschaftlich ergibt, etwas, was man als auf sicherer Grundlage fußend ansehen kann. Deshalb also, weil unsere Wissenschaft uns gestattet, das Äußere mit einem innerlich Erlebten durch die Mathematik zu verbinden, erkennen wir dieses als wissenschaftlich im Kantischen Sinne an, insofern Mathematik darinnen ist.