6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Nun hat man bezüglich der griechischen Tragödie gesprochen von der in ihr vorkommenden Katharsis als von dem wichtigsten zu ihr gehörigen Bestandteil - von der Krisis, dem entscheidenden Element, das in der Tragödie lebt. Und eine wichtige Frage, die zu gleicher Zeit eine Frage ist, die uns tief in das Wesen des Erkenntnisprozesses hineinführen kann, wirft sich auf, wenn wir gerade an das anknüpfen, was der Grieche etwa an der Tragödie erlebt hat. Wenn man so abstrakt definiert, was die Katharsis ist, so wird ja gesagt in Anknüpfung an Aristoteles, die Tragödie solle beim Zuschauer Furcht und Mitleid erwecken, damit die menschliche Seele, indem solche oder ähnliche Leidenschaften in ihr auftauchen, diese menschliche Seele gereinigt werde von dieser Art Leidenschaftlichkeit. Nun sieht man aber - ich kann das hier nur anführen, die Beweise dafür können durchaus auch durch die gewöhnliche Wissenschaft gefunden werden -, aus allem, was in der griechischen Tragödie vorliegt, daß nämlich das Denken über diese Katharsis, über diese künstlerische Krisis, sehr eng verbunden war im griechischen Wesen zum Beispiel mit dem medizinischen Denken.