6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1922-05-11/p026 ·1922-05-11 · original (original)
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Ich zögere nicht zu behaupten: Wenn man vom heutigen Wissenschaftsgeiste durchdrungen ist und nicht erst intime, ehrliche historische Studien gemacht hat, muß man notwendigerweise ein naturwissenschaftliches Werk aus einer Zeit wie dem 13. und 14. nachchristlichen Jahrhundert mißverstehen, aus dem einfachen Grunde, weil selbst zur damaligen Zeit- und je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsentwicklung, desto mehr ist das der Fall-, der Mensch nicht nur Mathematik in die äußere Welt hineingetragen hat, sondern auch eine ganze Fülle von inneren Erlebnissen, an die er ebenso glaubte wie wir an unsere Mathematik. So sprechen wir die Natur ganz anders an, wenn wir heute als Chemiker von Sulfur, Phosphor oder Salz reden, als wenn die damaligen Menschen von Sulfur oder Salz gesprochen haben. Wenn wir die heutigen Begriffe anwenden, dann treffen wir nicht im allergeringsten den Sinn, der damals in einem — eben auch wissenschaftlich gemeinten - Buche war, und zwar aus dem Grunde, weil dazumal eben mehr und anderes als das Mathematische oder das der Mathematik Ähnliche in die Beobachtungsergebnisse der Außenwelt hineingetragen wurde. Der Mensch trug eine ganze Fülle von innerlich - auch qualitativ und nicht bloß quantitativ — Erlebtem in die Außenwelt hinein.

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Cite: GA 75/1922-05-11/p026 · edition original