{"corpus":"steiner","locus":"GA 75/1922-05-11/p039","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man aber das, was man sich schon angeeignet hat als eine gewisse Form des Denkens, dadurch weiter ausbildet, daß man nun mit seiner ganzen Seelentätigkeit auf einem überschaubaren Inhalt ruht, und wenn man dieses Ruhen auf einer gewissen Seelentätigkeit, dieses Aufmerksamsein auf diese Seelentätigkeit mit Ausschluß alles anderen, was sonst in die Seele hereindringen kann, immer wieder vornimmt, so erstarkt der Denkprozeß. Und dann erst merkt man das, was sozusagen die gute Seite des Materialismus, der materialistischen Weltanschauung war. Denn man merkt jetzt, daß alles Denken, das man zunächst im gewöhnlichen Leben hat, namentlich jenes Denken, das sich dann fortsetzt in der Erinnerung, uns dazu führt, daß das, was wir erlebt haben in Gedanken, durch das Gedächtnis später wiederum heraufgebracht werden kann. Man merkt, daß das alles von dem Menschen zwischen Geburt und Tod nur so vollzogen werden kann, daß er sich dabei seines Leibes als einer Grundlage - ich will nicht sagen als eines Werkzeuges, aber als einer Grundlage - bedient. Und man merkt gerade dadurch, daß man jetzt das Denken durch innere Entwicklung weitertreibt, daß das gewöhnliche Denken eben durchaus an den menschlichen Leibesorganismus, an den menschlichen Leib gebunden ist und wie insbesondere der Gedächtnisprozeß nicht erklärt werden kann, ohne daß man für ihn eine feinere Physiologie zu Hilfe nimmt, denn jetzt erst merkt man, daß das Denken sich vom Leib befreit, daß es immer freier und freier wird vom Leib.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie","site_heading":null,"date":"1922-05-11","location":null,"word_count":234,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1922-05-11/p039","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/75/1922-05-11/p039"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/75/1922-05-11/p039","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}