6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Dadurch aber, daß wir im gewöhnlichen Leben nur in der Lage sind mit Hilfe unseres Leibes zu denken, erlischt das Denken in dem Augenblick, wo es eben nicht mehr mit Hilfe des Leibes vollzogen werden kann — das ist beim Einschlafen. Letzte Reste bleiben übrig in dem bildhaften Denken des Träumens, aber wenn man immer wieder und wiederum durch eine innere, eine exakte innere Übung - deshalb spreche ich von exaktem Hellsehen im Gegensatz zum dunklen, mystischen Hellsehen -, wenn man durch eine exakte Übung das Denken immer weiter und weiter treibt, lernt man die Möglichkeit eines Denkens erkennen, das unabhängig ist von der Leiblichkeit. Gerade dadurch darf der anthroposophische Forscher mit einer solchen inneren Sicherheit auf sein entwickeltes Denken hinweisen, weil er ja- besser noch als der Materialist - die Abhängigkeit des gewöhnlichen Denkens von der Leibesorganisation kennt und weil er erfährt, wie sich im Meditieren, im Üben das eigentliche Seelische heraushebt aus der Gebundenheit an den Leib. Man lernt eben leibfrei denken, man lernt, mit seiner Ich-Wesenheit herauszutreten aus dem Leibe, man lernt den Leib als ein Objekt kennen, während er früher durchaus verbunden war mit der Subjektivität.