6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1922-05-11/p043 ·1922-05-11 · original (original)
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Zunächst ist es so: Wenn dieses leibfreie Denken aufblitzt, wenn das Erleben aufblitzt: du bist jetzt in einer Seelenbetätigung, die du so vollziehst, wie wenn du einfach aus deinem Leibe dich herausgezogen hättest -, wenn dieses innere Erlebnis aufblitzt, dann wird das Denken innerlich intensiver. Es erlangt dieselbe innere Sattheit, die man sonst nur beim Wahrnehmen eines Sinnlichen hat. Es erlangt das Denken Bildhaftigkeit. Das Denken bleibt ebenso in der Sphäre der Besonnenheit wie nur irgendein Denken, das an den Leib gebunden ist, aber es erlangt im leibfreien Zustande jetzt Bildhaftigkeit. Man denkt in Gebilden. Und dieses Denken in Gebilden, das war auch in seinem Anfang vorhanden in dem, was Goethe in seiner Morphologie ausgebildet hatte. Deshalb behauptet er, er könne seine Ideen mit Augen sehen. Er meinte natürlich nicht die sinnlichen Augen, sondern das, was bei ihm sozusagen aus einem elementar-natürlichen Prozeß entstand, was aber eben auch ausgebildet werden kann auf dem meditativen Wege. Er meinte damit, daß er mit dem «geistigen» Auge das schaut, was ebenso bildhaft ist wie sonst nur die sinnlichen Anschauungen, was aber durchaus seiner inneren Qualität nach gedankenhaft ist. Ich sage «gedankenhaft», nicht Gedanke, denn es ist ein fortgebildeter, ein metamorphosierter Gedanke - es ist gedankenhaft.

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Cite: GA 75/1922-05-11/p043 · edition original