6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Dadurch also kommt man zu der Anerkennung dessen, was als das erste Übersinnliche im Menschen liegt. Aber man kommt dadurch auch zur Anerkennung von etwas, das nun in der gesamten Lebewelt außerdem noch vorhanden ist, was die unorganische Naturwissenschaft bis zur Chemie herauf nicht liefern kann: Man kommt zu der Anschauung, die die weitere Ausbildung ist der Goetheschen Morphologie; man kommt zu der Anschauung, wie die einzelne Pflanzenform nur eine besondere Ausgestaltung jener Form ist, die in anderen Pflanzen auch ruht; man kommt zu dem, was Goethe die Urpflanze nennt, die nun nicht etwa eine Zelle ist, sondern die eine konkret gestaltete, nur für das imaginative Erkennen zu erfassende übersinnliche Form ist, die aber in jeder einzelnen Pflanzengestalt leben kann — verändert, metamorphosiert leben kann. Man kommt zu der Anerkennung dessen, was wir im Vegetabilischen finden, wenn wir dieses voll verstehen wollen. Und man muß sich bei dieser Gelegenheit sagen: Bildet man diese imaginative Erkenntnis nicht aus, welche ein Übersinnliches, Dynamisches in allem Vegetabilischen zeigt, so lernt man nur das erkennen, was als mechanischer, physischer, chemischer Prozeß in der Pflanzengestalt vor sich geht.