6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Lernt er aber nun durch inspirierte Erkenntnis noch dasjenige schauen, was er war im präexistenten Leben, dann durchschaut er zugleich dasjenige in dem äußeren Reiche, was nicht nur in der Empfindung lebt, sondern was eine gewisse Relation, ein gewisses Verhältnis hat zu demjenigen, was da in der menschlichen Organisation, die auf die Empfindung, auf das Denken hin orientiert ist, lebt. Und man lernt erkennen die Zusammenhänge zwischen den Prozessen draußen und den Prozessen drinnen, auch die Zusammenhänge mit dem Empfindungsleben. Man lernt das erkennen, was beim Menschen hervorgebracht wird, wenn die Organe ergriffen werden vom Abbau, die eigentlich davon nicht ergriffen werden dürften, weil der Abbau in diesem Sinne eben nur die Grundlage für den Denk- und Empfindungsprozeß sein muß. Wenn gewissermaßen die organische Tätigkeit für das Denken und Empfinden Glieder des menschlichen Organismus ergreift, die nicht ergriffen werden sollen, dann entsteht dasjenige, was wir in der Pathologie erfassen müssen. Wenn wir aber mit der gleichgearteten Erkenntnis die äußere Welt erfassen, dann finden wir dasjenige, was durch die Therapie erfaßt werden muß. Dann finden wir den entsprechenden Prozeß der polarischen Gegenwirkung, den - ich möchte mich so ausdrücken - normalen Abbau im Inneren. Kurz, wir finden durch eine innere Anschauung den Zusammenhang zwischen Pathologie und Therapie, zwischen dem Krankheitsprozeß und dem Heilmittel. Dadurch kommen wir über den medizinischen Agnostizismus hinaus — nicht, indem wir die gegenwärtige Medizin negieren, sondern indem wir anerkennen, was sie sein kann -, und dadurch finden wir zu gleicher Zeit den Weg, um das als Ergänzung zu ihr hinzuzufügen, was sie durch sich selbst nicht finden kann.