6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Wenn man nun glaubt, daß Anthroposophie auf den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft irgendeinen Dilettantismus ausbilden will, so muß ich sagen: Das ist nicht der Fall! Sie will bewußt die Fortsetzung dessen sein, was sie als Ergebnis der heutigen Wissenschaft voll anerkennt, aber sie will das durch höhere Erkenntnismethoden ergänzen. Sie will also über die ja im Grunde genommen von jedem, der auch praktisch tätig ist, schon empfundenen Mängel der bloß probierenden Therapie hinauskommen zu einer aus der Anschauung gewonnenen Therapie, die einen inneren, organischen Zusammenhang mit der Pathologie hat, die gewissermaßen nur die andere Seite der Pathologie ist. Gelingt es einem auf die geschilderte Weise, in der Pathologie einfach eine Fortsetzung der Physiologie zu finden, dann gelingt es einem auch - dadurch, daß man ja die Verwandtschaft des Menschen mit seiner natürlichen Umgebung kennenlernt -, die Pathologie wiederum auf eine ganz rationelle Weise in die Therapie hinein fortzusetzen, so daß diese beiden in der Zukunft nicht so nebeneinander zu stehen brauchen, wie sie heute nebeneinander stehen in einer mehr agnostisch gefärbten Wissenschaft.