6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Dann erst ist es möglich, auch das, was sich schon in der physischen Welt als Geistiges auslebt, zu schauen; dann erst gewinnt man ein wirkliches Verständnis für die Geschichte. Die Geschichte als ein Aneinanderreihen äußerer Tatsachen ist erst die Vorbereitung. Was als geistige Triebkräfte und Triebwesenheiten in dem Geschichtlichen lebt, durchschaut man erst durch die intuitive Erkenntnis. Und auf dieser Stufe intuitiver Erkenntnis durchschaut man in Wirklichkeit auch erst das, was unser eigenes Ichwesen ist. Unser eigenes Ichwesen erscheint uns zunächst als etwas, was wir nicht durchschauen. Wie ein dunkler Raum innerhalb einer Helligkeit uns so erscheint, daß wir die Helligkeit aus dem Dunkel heraus mit unserem Auge sehen, so schauen wir auf unsere Seele zurück, sehen ihre Gedanken, fühlen weitere innere Vorgänge, leben in unseren Willensimpulsen. Das eigentliche Ichwesen aber ist sozusagen wie ein dunkler Raum darin. Das wird jetzt erhellt. Wir lernen unser ewiges Wesen kennen. Damit aber lernen wir erst den Menschen so kennen, daß wir ihn auch als soziales Wesen voll durchschauen können. Jetzt stehen wir vor dem Punkte, wo die Ergänzung zum sozialen Agnostizismus auftritt.