6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie
Hier beginnt die Sache ganz besonders ernst zu werden. Was ist sozialer Agnostizismus? Er entsteht dadurch, daß wir diejenige Beobachtung, die wir gelernt haben, mit Recht anzuwenden auf die äußeren, natürlichen Phänomene, daß wir diese uns angeschulte Beobachtung nun auch auf die sozialen Phänomene anwenden wollen. Da kommen dann die verschiedenen Kompromißtheorien in der Sozialwissenschaft und in der Soziologie herauf - überhaupt all die Theorien über die Auffassung des sozialen Lebens, die wir haben entstehen sehen. Da kommt dann dasjenige herauf, was in der Auffassung des sozialen Lebens naturwissenschaftlich ansetzt, was aber deshalb absehen muß von allem Erkennbaren, was sich dem Gedanken entfremdet und was nur im Instinktleben vorhanden ist. Das äußerste Extrem ist dann im Marxismus aufgetreten, der in alledem, was geistig ist, eine Ideologie sieht und der die Impulse des sozialen Lebens nur dann verwirklicht sehen will, wenn sich diese Impulse aus dem Instinktiven heraus entwickeln, das dem Agnostizismus angehört. Klassenbewußtsein ist eigentlich nichts anderes als die Summe dessen, was nicht in einer Erkenntnis des Menschen wurzelt, sondern was aus den Instinkten herauskommt - nur müssen es jene erkennen, die in bestimmten Lebensverhältnissen solche Instinkte entwickeln.