6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1922-05-11/p068 ·1922-05-11 · original (original)
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Wir mögen heute auf frühere Zeitalter zurückschauen - gewiß, wir haben sie überwunden, und gerade wer auf anthroposophischem Boden steht, wird sie am wenigsten in ihrer alten Form zurückwünschen. Was aber diese früheren Zeitalter gehabt haben trotz aller Fehler, die wir heute leicht kritisieren können, das ist, daß sie in gewissen Epochen den lebendigen Geist - nicht bloß den Gedankengeist - unter die Menschen gebracht haben. Dadurch konnte sich das, was als Erkenntnisgrundlage da war, ausdehnen zur künstlerischen Erfassung der Welt, zur religiösen Durchdringung des eigentlichen Inneren, zur sozialen Gestaltung der Welt. Neue soziale Gestaltung der Welt, neues religiöses Leben, neue künstlerische Werke auf der Grundlage der Erkenntnis, auf der sie im Grunde genommen immer gestanden haben, werden wir erst erringen, wenn wir uns wiederum eine lebendige Erkenntnis erringen, so daß nicht nur die Gedanken aus dem Geist, sondern der Geist selber in der Menschheit lebt. Diesen lebendigen Geist, den möchte die Anthroposophie suchen. Die Anthroposophie will nicht eine Theorie oder eine theoretische Weltanschauung sein; Anthroposophie will dasjenige sein, was im Leben des Menschen den Geist in seiner Lebendigkeit rege machen kann, was den Menschen nicht bloß mit Wissen vom Geist, sondern mit dem Geiste selbst durchdringen kann.

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