6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1922-05-11/p075 ·1922-05-11 · original (original)
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Die Naturwissenschaft hat es tatsächlich in den letzten Jahrhunderten verstanden, sich auf den Thron zu erheben und selbst die Philosophie zum Teil als antiquiert vom Throne herunterzustoßen. Nun suchen aber diejenigen, die sich nicht zufrieden geben können mit der so gestürzten und entgötterten Philosophie, wieder einen Anstoß, um die Philosophie zurückzutragen auf das alte Podium, auf dem sie in Griechenland gestanden hat. Und ich glaube, daß die Anthroposophie, wie sie Dr. Rudolf Steiner vor uns entwickelt hat, ein Versuch ist, die Synthese so zu gestalten, daß er zwar erst in den Vorstufen die Naturwissenschaft anerkennt und sich Mühe gibt, nichts gegen ihre Exaktheit einzuwenden, um aber dann über sie hinaus in das übersinnliche Gebiet einzudringen. Was nun der Schritt in die übersinnlichen Welten ist, scheint mir allerdings auf einer sehr schwachen Grundlage zu stehen, um so mehr, als Dr. Rudolf Steiner mit Begriffen arbeitet wie Präexistenz. Wer mehr Zeit hätte, könnte schärfer daraufhin fragen, was er sich unter dieser Präexistenz denkt oder was er über das «post mortem»-Leben, über das Leben nach dem Tode zu verzapfen hätte.

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