6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1922-05-11/p087 ·1922-05-11 · original (original)
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... wenn man dieser Fülle gegenübersteht, so ist es ganz selbstverständlich, daß in einem ersten, orientierenden Vortrage auf manches nur hingewiesen werden kann. Fassen wir also das, was der verehrte Herr Vorredner eben gesagt hat, etwas genauer ins Auge. Er sagte, Präexistenz erinnere ihn an alte Begriffe. Nun aber, er ist ja nur dadurch an alte Begriffe erinnert worden, daß ich Worte gebraucht habe, die früher auch schon da waren. Natürlich, wenn ich davon spreche, daß man dadurch, daß man die imaginative Erkenntnis, die ich ja charakterisiert habe, zu einer inspirierten Erkenntnis erhebt, die ich auch charakterisiert habe, so komme ich zu der Anschauung der Präexistenz. Wenn ich nur schildere, daß man so zur Anschauung des präexistenten Lebens kommt, dann kommt es ja auf den Ausdruck «Präexistenz» gar nicht an, sondern es kommt nur darauf an, daß ich schildere, wie ein exaktes Üben stattfindet, um zu der Anschauung dessen zu kommen, was vom Menschen da war, bevor sich dieses Menschenwesen — wenn ich mich so ausdrükken darf- mit einem physischen Leibe, mit dem, was sich im Leibe der Mutter durch die Konzeption vorbereitet, verbindet. Also, ich habe das Wort Präexistenz nur gebraucht, um auf etwas hinzudeuten, worauf man erst schauen kann, wenn eine übersinnliche Erkenntnis auf die Art, wie ich es geschildert habe, zustande gekommen ist. Man findet in der Gnosis eine gewisse Gesinnung gegenüber der Erkenntnis. Gnosis als solche hat nichts zu tun mit dem, was heute die Anthroposophie will, aber diese Erkenntnisgesinnung, wie sie in der alten Gnosis vorhanden war und die darauf ausgeht, das Übersinnliche wieder zu erkennen, die lebt in unserem Zeitalter - im nachgalileischen, im nachkopernikanischen Zeitalter — eben in einer anderen Form wieder auf.

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Cite: GA 75/1922-05-11/p087 · edition original