6. Agnostizismus in der Wissenschaft und Anthroposophie

GA 75/1922-05-11/p118 ·1922-05-11 · original (original)
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Nehmen Sie an - ich zeichne nicht einen Kreis an die Tafel, sondern ich habe hier meine zwei Finger. Damit halte ich eine Schnur und bringe den Gegenstand in eine kreisförmige Bewegung, so daß dieses Bleikügelchen sich im Kreis bewegt. Jene Gesetze, die ich nun für die Bewegung dadurch erkenne, daß ich sie mathematisch erkenne - haben die nichts zu tun mit der Realität? Ich gehe ja fortwährend so vor, daß ich eben gerade durch Mathematik das Verhalten im Realen bestimme. Ich gehe ja dann so vor, wenn ich von der Induktion zur Deduktion übergehe, daß ich das hineinbringe, was ich zunächst durch Induktion bestimmt habe und dieses nun mit der Mathematik weiterbearbeite. Wenn ich das Endglied einer empirischen Induktion in eine mathematische Formel hineinbringe und dann einfach weiterrechne, dann zähle ich doch darauf, daß dasjenige, was ich durch die Deduktion mathematisch entwickle, der Realität entspricht. Dadurch ist ja erst das Mathematische fruchtbar für die Realität, nicht durch solche philosophische Auseinandersetzungen, wie sie jetzt vorgetragen wurden.

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