Philosophie

GA 76/1921-04-04/p022 ·1921-04-04 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Zweaerlei trat bei Kant auf, und wer ganz unbefangen Kant studiert, wird scharf hingewiesen auf das, was bei ihm nach zwei Seiten hin auftaucht: Auf der einen Seite hatte er sich eingewöhnt in das Suchen nach «gewissen Urteilen». Er hatte sich zum Beispiel gesagt: In der Mathematik haben wir solche Urteile, die ganz notwendig immer gelten, die also nicht aus der Erfahrung stammen können, weil die Erfahrung keine solchen Urteile gibt. Wir haben auch in einigen Partien des naturwissenschaftlichen Denkens solche Urteile, die für immer gelten, die also wirklich nur aus dem Menschen selbst heraus gewonnen werden können. Gewißheit muß es geben in der Philosophie. — Das war die eine Seite dessen, was Kant wollte. Und wer nicht ins Auge faßt, wie Kant fest auf dem Boden stand: Gewißheit muß es geben — auch im Sinne der Wolffischen Philosophie —, der versteht eben Kant nicht, weil er sich nicht einlassen kann auf die Erkenntnis dieses Pochens Kants auf die Gewißheit gewisser Urteile.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/76/1921-04-04/p022.json
Cite: GA 76/1921-04-04/p022 · edition original