{"corpus":"steiner","locus":"GA 77a/1921-07-27/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir auf der einen Seite auf die naturwissenschaftliche Entwicklung sehen und auf der anderen Seite auf die Entwicklung der geschichtlichen Anschauungen, dann muß man sagen: Wer mit allem Ernste und aus den inneren Erlebnissen des gesamten Menschen, des Vollmenschen heraus das letzte Entwicklungsstadium unseres geistigen Lebens am Ende des 19. Jahrhunderts und am Beginn des 20. Jahrhunderts miterlebte, der begegnete gewissermaßen zwei Eckpfeilern; zwei Eckpfeilern, von denen der eine einmal großes Aufsehen gemacht hat, heute aber wiederum fast vergessen ist, das heißt vergessen ist von dem Gesichtspunkte aus, daß man sich seiner nicht mehr in vollem Bewußtsein erinnert. Aber er lebt fort in der Art und Weise, wie man heute Weltanschauungsfragen behandelt. Dieser eine Eckpfeiler ist das einstmals berühmte «Ignorabimus» — «Wir werden niemals wissen» - Du Bois-Reymonds aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Du Bois-Reymond, der geradezu ein repräsentativer Naturforscher seiner Zeit war, er hat die Grenzen naturwissenschaftlichen Denkens in strenger Weise zeichnen wollen, und er hat ja auch jene Auseinandersetzungen, in denen das Ignorabimus des Naturforschers enthalten ist, mit den Worten beschlossen: Naturwissenschaft werde niemals ergründen können das Wesen des Materiellen selbst, also das Wesen dessen, was zugrunde liegt der äußeren, durch unsere Sinne beobachtbaren, mit dem Verstande zu zergliedernden Welt. Gegenüber dieser Welt müsse man das Ignorabimus aussprechen — so meinte Du Bois-Reymond —, denn alles dasjenige, was über die angedeuteten Grenzen hinausgehen möchte, führe in den Supernaturalismus hinein. In eine Art übersinnlicher Forschung führe das — meint Du Bois-Reymond, indem er den Satz monumental hinstellt, daß, wo Supernaturalismus anfängt, die Wissenschaft aufhört.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"1. Natur-Erkennen und Geist-Erkennen","site_heading":null,"date":"1921-07-27","location":null,"word_count":258,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77a/1921-07-27/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77a/1921-07-27/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/77a/1921-07-27/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}