3. Die Geistige Signatur der Gegenwart

GA 77a/1921-07-28_03/p013 ·1921-07-28 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Dem gegenübergestellt findet sich in einer gewissen Weise jene anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, die eine Angelegenheit des ganzen, des Vollmenschen werden will, die sein Gefühl und seinen Willen ergreifen will. Sie schöpft auf der einen Seite, wie ich gestern ausgeführt habe, aus Erkenntnisquellen, welche in das menschliche Innere hineinschauen lernen. Sie schöpft aus gewissen Fähigkeiten, die über die alltäglichen hinaus durch die gestern angedeutete Methode entwickelt werden können. Sie schöpft aus diesen latenten, im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft schlafenden Erkenntniskräften heraus etwas, was hinunterschaut in die menschliche Natur, in diejenigen Regionen, die im gewöhnlichen Leben durch das so notwendige Erinnerungsvermögen, durch das Gedächtnis, zugedeckt werden, so wie der Raum, der hinter einem Spiegel ist, durch den Spiegel zugedeckt wird. Durchbrechen wir auf dem gestern angedeuteten Wege das, wovor die Kraft unseres Erinnerungsvermögens steht, entwickeln wir Kräfte zur übersinnlichen Schau, dann gelangen wir allerdings, wie ich es gestern angedeutet habe, zuerst dahin, die menschlichen Organe selbst in ihrer Lebendigkeit zu durchschauen. Wir gelangen da hinein, wohinein eine lebendige Medizin forschen muß, wohinein eine lebendige Anthropologie forschen muß. Aber wir gelangen dann über das, was wir am gegenwärtigen Menschen als das Geistig-Materielle finden, hinaus zu dem vorgeburtlichen Menschen, besser gesagt zu dem Menschen, wie er war in der geistigen Welt, bevor er dieses Erdenleben angetreten hat durch die Konzeption. Wir gelangen zu einer wirklichen Erweiterung derjenigen Kräfte des menschlichen Seelenlebens, die sich sonst - die Spanne Zeit ausfüllend, die da liegt einige Jahre nach unserer Geburt bis zu unserem gegenwärtigen Zeitpunkte - nur über dieses Leben innerhalb des irdischen Daseins erstrecken. Wir gelangen dadurch, daß wir das Gedächtnis durchbrechen, zu einer höheren Seelenkraft, zu einer höheren Erkenntniskraft; wir gelangen dadurch zum Anschauen der geistig-seelischen Wesenheit des Menschen, wie sie war, bevor der Mensch für dieses Erdenleben hier konzipiert worden ist. Und von da aus geht dann die Strömung, an welche zu denken dem heutigen Menschen so schwer wird: die Strömung, von der Selbsterkenntnis aus zur Welterkenntnis vorzudringen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/77a/1921-07-28_03/p013.json
Cite: GA 77a/1921-07-28_03/p013 · edition original