3. Anthroposophie als Wissenschaft vom menschlichen Wesen
Meine sehr verehrten Anwesenden! Wenn man im Entwickelungsgange der heutigen Wissenschaft studierend vorrückt, so kann man seinen Weg machen, von diesem oder jenem Wissenszweig ausgehend, zu dem andern, zu dem man aus gewissen äußeren oder inneren Notwendigkeiten geführt wird. Aber das geht alles im Grunde genommen her, ohne einen Anteil der tieferen menschlichen Wesenheit. Man muß schon sagen: mit einer gewissen inneren Gleichgültigkeit wird dieser Weg durchwandelt. Gewiß, es gibt Examensnöte, dann kann es schon aus diesen Examensnöten heraus zu inneren seelischen Katastrophen kommen. Aber diese seelischen Katastrophen — insbesondere diejenigen, die durch sie durchgegangen sind, werden das bezeugen können —, sie hängen mit dem Inhaltlichen desjenigen, an das man herantritt, sagen wir in der Mathematik, in der Medizin, in der Biologie eigentlich doch nicht zusammen. Man kann sich auch innerlich freuen, wenn man als Forscher dies oder jenes entdeckt hat. Allein wiederum ist dasjenige, was inneres Seelenerlebnis ist, in einer äußerlichen Weise gekettet an den Inhalt desjenigen, was einem in der Erkenntnis vor die Seele getreten ist.
Cite:
GA 77b/1921-08-24/p003 · edition original