3. Anthroposophie als Wissenschaft vom menschlichen Wesen

GA 77b/1921-08-24/p006 ·1921-08-24 · original (original)
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Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, besteht denn nicht schließlich das Wesen der Menschenseele im alltäglichen Leben schon darinnen, daß wir durch innere Erschütterungen, durch Schmerzen, Leiden, durch Freuden und Befriedigungen gehen? Gehen wir denn nicht durch Katastrophen und Peripetien durch das äußere Leben? Können wir daher hoffen, daß wir dieses innerlich wandelbare und in seiner Wandelbarkeit uns so nahestehende menschliche Wesen erfassen könnten durch eine Wissenschaft, welche einerseits uns ein Bild des Menschen liefert, das uns eigentlich gleichgültig lassen muß, ja, das gerade in einer gewissen Bezicehung seine Vollkommenheit darin erblicken muß, daß es uns gleichgültig läßt? Wer diese Tatsache im rechten Lichte sieht, der wird zunächst gefühlsmäßig herangerückt an das Wesen anthroposophischer Menschenerkenntnis. Dieses Wesen anthroposophischer Menschenerkenntnis — ich habe versucht, es zum Teil zu schildern nach seiner Methode in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», ich habe es zu schildern versucht namentlich in meinem Buche «Theosophie» und dann in der «Geheimwissenschaft», Ich habe zu zeigen versucht, wie aufzusteigen hat ein Erkenntnisstreben, das zu wirklicher anthroposophischer Menschenerkenntnis kommen will durch drei Erkenntnisstufen, durch die Imagination, durch die Inspiration, durch die im tieferen Sinne verstandene Intuition. Und ich glaube, ich habe bemerklich gemacht bei der Schilderung desjenigen, was der Mensch erleben kann in imaginativem, inspiriertem, intuitierendem Leben, daß das Durchmachen eines solchen Erkenntnisweges durchaus eine Reihe innerer Schicksalserlebnisse für den Menschen zugleich bedeutet, also nicht nur in einer Abstraktion dasjenige, was Erkenntnisinhalt wird, an den Menschen heranrückt, sondern heranrückt das Bild vom Menschen an das unmittelbare menschliche Erleben, an dasjenige, was in uns sitzt, als das erlebte Wesen unserer Menschenwürde.

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