3. Anthroposophie als Wissenschaft vom menschlichen Wesen

GA 77b/1921-08-24/p011 ·1921-08-24 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Gewiß, wir unterscheiden das erinnerte Erlebnis von dem äußeren Sinneserlebnis; aber es gibt zu gleicher Zeit zwischen beiden ein durchaus Ähnliches im Herantreten an das Ich, an die Egoität, die sich voll doch eigentlich nur im Augenblicke erfaßt. In dem Bestreben, zur Imagination vorzurücken, fließt das Ich tatsächlich allmählich aus über unser zwischen Geburt und Tod zugebrachtes physisches Erdenleben, und wir lernen, in einem vergangenen Erlebnis so drinnenzustehen, wie wir drinnenstehen in dem Erlebnis des gegenwärtigen Augenblicks. Wir lernen, uns als Ich ebenso in dem längst vergangenen Erlebnis zu erfühlen, wie wir das sonst im gegenwärtigen Augenblicke tun. Ich mache Sie aufmerksam darauf, daß Sie ja gewiß schon im Traum — den ich gewiß nicht etwa als irgendeine gültige Erkenntnisquelle ansehe, sondern ihn nur zur Verdeutlichung hier gebrauche —, daß Sie gewiß schon im Traume es erlebt haben, daß Sie sich vorkamen als 20 Jahre zurückliegender Mensch, als Mensch, der 20 Jahre jünger ist, daß Sie sich vorstellten Ihr Bild von vor 20 Jahren und sich ganz so im Traume benahmen, als wenn Sie eben nur das Alter von vor 20 Jahren hätten, daß Sie dasselbe taten, was Sie vor 20 Jahren getan haben. Ich möchte Sie daran erinnern, daß Sie sich in der Tat mit diesem Traumesbild dann so objektivieren, daß Sie sich in dem Augenblicke in dem Alter fühlen, in dem Sie waren in einer weit zurückreichenden Zeit.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-24/p011.json
Cite: GA 77b/1921-08-24/p011 · edition original