3. Anthroposophie als Wissenschaft vom menschlichen Wesen

GA 77b/1921-08-24/p012 ·1921-08-24 · original (original)
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Was da halb pathologisch im Traume auftritt, das kann in Besonnenheit durch imaginative Erkenntnis von dem Menschen errungen werden, das kann in vollem Bewußtsein ausgebildet werden. Dann erlebt der Mensch dasjenige, was er in diesem Erdenleben jemals erlebt hat — er erlebt es nicht nur als die gewöhnliche Erinnerung, der gegenüber das Erleben des gegenwärtigen Augenblicks steht, er erlebt es so, daß sein Ich, seine Egoität ausfüllt den gesamten Strom seines Erlebens in diesem Erdenleben. Er tritt aus dem Augenblick heraus und tritt ein in den Strom seines Zeiterlebens. Das Ich fließt nicht in einer nebulosen Weise aus, das Ich fließt in den Strom der wirklichen Erlebnisse dieses Erdenlebens aus. Aber in diesem Ausfließen erfaßt man etwas anderes als im gewöhnlichen Augenblicksbewußtsein, das sich ja aus der gewöhnlichen Logik heraus mit den Verstandesbildern in Abstraktionen ausfüllen muß. Man erfaßt in diesem über den Lebensstrom ergossenen Ich Bilder, Bilder von der Lebendigkeit des Sinneslebens. Dasjenige, was sonst gleichsam als Lebenserinnerung vor der Seele steht, das wird innerlich gesättigt, intensiv; man lernt an sich selber das Wesen des imaginativen Erkennens. Man dringt zugleich in die Wesenheit des Menschen ein, indem man in der Erkenntnis weiterkommt. Aber von diesem Augenblicke an weiß man, daß man mit dem Ich untergetaucht ist nicht in einen Strom von abstrakten Erinnerungen, sondern in einen Strom von wirklichen Lebenskräften, von denselben Lebenskräften, die von unserer Geburt, oder sagen wir von unserer Empfängnis an die Kräfte sind, die unseren Organismus konstituieren, die unsere Organe formen, die innerlich an uns arbeiten, in Wachstum, in Ernährung, in Reproduktion.

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