{"corpus":"steiner","locus":"GA 77b/1921-08-24/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aber da ergibt sich wiederum eine neue Aufgabe. Die Welt, die wir jetzt erleben, sie ist eine ganz andere [als die physische]; sie hat gewisse Dinge nicht, die wir mit Recht als das Maßgebende unserer physischen Welt betrachten. Sie tritt uns zunächst in einer Bildhaftigkeit entgegen, während wir unsere physische Welt in ihrer richtigen Objektivität erkennen, wenn wir das Bildhafte abstreifen. Aber wenn wir nun aufsteigen aus dem Ergreifen unseres eigenen Ätherleibes zu der Ätherizität der Welt, dann bemerken wir, daß gerade diejenigen Sinne, die uns sonst in der schönsten Weise die Außenwelt vermitteln, daß diese in der Wirksamkeit zurückbleiben. Wir verdanken dasjenige, was wir von der physischen Außenwelt haben, dem Auge, dem Ohr und so weiter. Diese Sinne treten gewissermaßen zunächst zurück, und ge{ade diejenigen Sinne treten, indem man sich so in die Ätherwelt einlebt, in dem menschlichen Erleben in den Vordergrund, die im gewöhnlichen physischen Leben eigentlich nicht beachtet werden: der Gleichgewichtssinn, der Bewegungssinn, der Lebenssinn. Die treten in den Vordergrund. Die Schwere fällt gewissermaßen von uns ab. Ein Erleben eines der Welt eigenen Gleichgewichtes, in das wir uns selber hineinfinden, tritt ein. Die äußerlich durch die Augen angeschauten Bewegungen oder die mit den Instrumenten konstatierten Bewegungen, sie hören auf. Dasjenige aber, was in der Bewegung innerlich erlebt werden kann, wenn der Mensch selber in dieser Bewegung ist, das wird erlebt in der Imagination durch den ruhenden Menschen, indem das Bewegen sich zunächst steigert. Das ist ein lebendiges Hineindringen in die ätherische Welt. Und hier darf ich darauf aufmerksam machen, meine sehr verehrten Anwesenden, daß es wirklich so ist, wie ich in meinen Einleitungsworten heute charakterisiert habe, indem ich sagte, der Weg der anthroposophischen Erkenntnis bedeutet eine Reihe von inneren seelischen Schicksalserlebnissen. Denn dasjenige, was da gewissermaßen als Dämpfung der höheren Sinne und als Vergeistigung und Verstärkung zugleich der gewöhnlich als niedrig angesehenen Sinne eintritt, das ist mit einem solchen Schicksalserlebnis in Verbindung. Und, ich möchte, trotzdem ich weiß, wessen man sich aussetzt bei einer solchen Schilderung, ich möchte dasjenige, was ich hier sagen will, an einem Beispiel erwähnen: Ich war einstmals beschäftigt mit dem innerlichen gedanklichen Durcharbeiten desjenigen, was der Mensch eigentlich erlebt, wenn er sich mit seiner Seele zu diesen oder jenen Weltanschauungen bekennt, wenn er Materialist wird, Idealist, Realist, Spiritualist, Positivist, Skeptiker und so weiter. Diese Dinge lassen sich ja, wenn man sie wirklich aus dem menschlichen Inneren heraus zu erkennen strebt, nicht erschöpfen in dem, was das gewöhnliche Leben und die gewöhnliche heutige Wissenschaft über sie hervorbringen. Das gewöhnliche Leben und die gewöhnliche heutige Wissenschaft erschöpfen sich eigentlich darinnen, daß der Idealist über den Realisten schimpft, ihn abkritisiert und daß er dasjenige, was der Realist vorbringt, in Grund und Boden bohrt; der Spiritualist wird hochmütig, und trotzdem er oftmals ein völliger Laie ist in demjenigen, was man nur in der materiellen Welt erkennen kann, ergeht er sich in den abfälligsten Kritiken über den Materialismus, der dennoch eine kosmische Begleiterscheinung war unserer modernen, mit Recht so gerühmten Wissenschaftlichkeit. Diese Dinge, warum das Menschengemüt nach der einen Seite sich zum Materialismus hinneigt, auf der anderen Seite zum Beispiel zum Spiritualismus oder Idealismus, diese Dinge liegen tiefer als man gewöhnlich meint.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"3. Anthroposophie als Wissenschaft vom menschlichen Wesen","site_heading":null,"date":"1921-08-24","location":null,"word_count":524,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-24/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-24/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/77b/1921-08-24/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}