{"corpus":"steiner","locus":"GA 77b/1921-08-24/p029","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das wird erreicht auf der Stufe des Intuitiven, des wahrhaftigen Intuitiven. Da wird dasjenige, was in anthroposophischer Menschenerkenntnis geschildert werden kann als die wiederholten Erdenleben, da wird das zu einer Weisheit. Wie überhaupt anthroposophische Erkenntnis nicht darinnen besteht, daß man auf Grund vorliegender Tatsachen abstrakte Erkenntnisse aufstellt, die Bilder sind der Tatsachen, sondern wie anthroposophische Menschenerkenntnis darin besteht, daß man sich in das Wesenhaft-Menschliche nach und nach real hineinlebt. Dasjenige, was man von diesem Menschenwesen erfährt, indem man zuerst in der ätherischen Erkenntnis ausgegossen hat sein Ich, seine Egoität, in den Strom des Lebens zwischen Geburt und Tod, das steht jetzt als das Subjekt denjenigen Ichen gegenüber, die objektiv geworden sind auf dem Wege von unserem früheren Erdenleben zu unserem gegenwärtigen Erdenleben. Aus einem solchen Erkenntniswege heraus spricht derjenige, der aus innerer Anschauung, nicht aus einer Theorie heraus, über das Bestehen wiederholter menschlicher Erdenleben spricht. Diese Anschauung von den wiederholten menschlichen Erdenleben ist eben keine Theorie, sondern sie ist etwas, was auftritt als eine Erkenntnis gleichzeitig mit der Anschauung des wahren Ich, das wir im Grunde genommen im gewöhnlichen Leben so vor uns haben, wie wir unser Seelenleben vor uns haben zwischen dem Einschlafen und Aufwachen. Wie wir zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in einem Zustande sind, in den wir nicht hineinschauen, der uns gewissermaßen nur negativ als ein leerer Stromteil unseres Erlebens gegeben ist, wie wir gewissermaßen aussparen müssen in unserem Lebensstrom dasjenige, was wir schlafend erlebt haben, wie wir, wenn wir zurückblicken und unser Leben vor uns auftreten lassen, wie wir für das gewöhnliche Bewußtsein eigentlich nur immer jene Lebensstrecken haben, die verlaufen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wie diese immer unterbrochen sind von leeren Stromlängen, Stromgliedern, so sehen wir im gewöhnlichen Leben in unser Ich, in unsere Organisation hinunter. Wir sehen, indem wir erleben das wogende, webende Seelenleben, gewissermaßen eine leere Stelle, die wir so verschlafen, wie wir unseren Schlafzustand verschlafen, und zu dieser leeren Stelle sagen wir Ich, nicht zu etwas real Erfülltem. Anthroposophische Menschenerkenntnis, meine sehr verehrten Anwesenden, kann angeben, wie sie zu ihrem Inhalte gelangt, kann Stück für Stück schildern, wie sie innerlich vorrückt zum Ergreifen desjenigen, was sie als Lehre muß vor die Welt hinstellen. Und weil wirkliche anthroposophische Menschenerkenntnis überall den Gedanken hineinträgt - denn Sie haben gesehen, daß ich den Hauptwert darauf legen mußte in der Schilderung dieser anthroposophischen Menschenerkenntnismethode, daß in Imagination, in Inspiration das Gedankenerlebnis mit aller Schärfe hineingetragen worden ist, daß dieses Gedankenerlebnis zuletzt auch noch erscheint im intuitiven Erlebnis; Sie haben gesehen, daß ich darauf den besonderen Wert legen mußte —, und weil das Gedankenerlebnis überall drinnen ist, weil dasjenige, was der Mensch im abstrakten Gedankenerlebnis hat, das er verwendet zu der gewöhnlichen Wissenschaft, überall in all dem drinnen ist, wohinein der Geistesforscher seine Seele und seinen Geist, sein Ich lenkt, deshalb ist auch alles dasjenige, was der Geistesforscher vor der Welt vorbringt, durch das bloße Gedankenerlebnis nachzuleben und auch nachzuprüfen. Der Mensch muß nur die Möglichkeit haben, dem Geistesforscher bis zum Gedankenerlebnis zu folgen. Er darf nur nicht das Gedankenerlebnis sogleich verlieren, wenn er die Sphäre des Sinneserlebens verläßt. Er muß die Kraft haben, diejenige innere Wachstumsfähigkeit und Reproduktionsfähigkeit zu entwickeln, die den sich selbst erzeugenden Gedanken auch dann noch hat, wenn der an der äußeren Sinneserscheinung angeregte Gedanke aufhört, seinen eigentlichen Charakter zu tragen. Dieses intensive innere Erleben, das kann zunächst angeeignet werden; dann wird man finden: der Geistesforscher, er schildert Dinge, die er im wesentlichen erlebt hat, indem er den Gedanken hineingetragen hat in Imagination, Inspiration und Intuition.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"3. Anthroposophie als Wissenschaft vom menschlichen Wesen","site_heading":null,"date":"1921-08-24","location":null,"word_count":584,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-24/p029","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-24/p029"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/77b/1921-08-24/p029","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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