{"corpus":"steiner","locus":"GA 77b/1921-08-26/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Meine sehr verehrten Anwesenden! Ein sehr ernster Philosoph, Johann Gottlieb Fichte, sprach aus seiner tiefsten Erkenntnis heraus den Satz: Welche Art von Philosophie man wähle, das hängt davon ab, was man für ein Mensch ist. - Für eine Philosophie, welche sprechen will über sittliche und moralische, moral-soziale Gesichtspunkte von ihrem eigenen Felde aus, ist, wenn man genauer zusieht, ein solcher Satz geradezu vernichtend. Denn, wenn man gewissermaßen in seinen höchsten Erkenntnissen — das sollen ja die philosophischen sein — nur widerspiegelt dasjenige, was man als sittlicher und sozialer Mensch schon ist, dann kann ja Philosophie, Weltanschauung, unmöglich ihrerseits Impulse für die Sittlichkeit und das Soziale abgeben. Und derjenige, der einen solchen Satz genügend ernst zu nehmen weiß, wird gerade von ihm ausgehend sich die bedeutsame Frage stellen müssen: Wie kann Erkenntnis, wie kann ein Wissen irgendwie impulsierend wirken für das sittliche, für das soziale Leben? Denn in unserer Zeit möchte ja das wissenschaftliche Denken, das alle Lebenskräfte der Menschen durchdringt, durchaus auch für das sittliche und soziale Leben in einer gewissen Weise autoritativ wirken. Für unsere Zeit also scheint mir diese Frage eine ganz besondere Bedeutung zu haben, und für anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft hat sie diese Bedeutung noch in erhöhtem Maße. Denn anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft will eine wirkende Kraft im Leben sein. Und wie sollte sie das werden, wenn sie nicht irgendwelche Impulse finden könnte für die Sittlichkeit, für das soziale Leben, die wohl die größten Probleme unserer heutigen Gegenwart einschließen. Immer wieder und wiederum aber wird man auf die besondere Natur des heutigen Wissenschaftsgeistes gewiesen, wenn man solch eine Frage aufwirft.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Anthroposophie als Moralimpuls und soziale Gestaltungskraft","site_heading":null,"date":"1921-08-26","location":null,"word_count":262,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-26/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-26/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/77b/1921-08-26/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}