{"corpus":"steiner","locus":"GA 77b/1921-08-26/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Einseitig hat sich zunächst ausgebildet dasjenige, was den Menschen dahin gelenkt hat, an die Stelle eines alten instinktiven Seelenlebens ein bewußtes Seelenleben treten zu lassen. Man mag noch so viel deklamieren darüber, daß der Mensch dadurch seine Naivität verloren habe, daß die Bewußtheit anstelle des alten Instinktiven getreten ist. Ein solches Deklamieren hat keinen anderen Wert, als wenn man sich darüber beklagt, daß man früher 20 Jahre alt war und so und so ausgesehen hat, und jetzt älter ist. Diese Dinge lassen sich nicht bekritteln, sondern müssen einfach in ihrer Notwendigkeit erkannt werden. Die Menschheit mußte vom 15. Jahrhundert ab in die Bewußtheit übertreten, und sie tat das zunächst auf dem Gebiete des Vorstellungslebens. Aber auch dieses Vorstellungsleben war früher in das instinktiv-getragene Leben hineinversetzt. Wer wirklich kennt das Gesamte des Zivilisations- und Kulturlebens, das dem 15. Jahrhundert vorangegangen ist, einschließlich des griechischen, der weiß, wie die sämtlichen Kräfte der Menschenseele dazumal aus dem Instinktiven heraus wirkten, wie auch dasjenige, was man wissenschaftlich nannte, im Verhältnis zu heute in einer gewissen Beziehung viel mehr aus dem Instinktiven, aus der instinktgetragenen menschlichen Seelenverfassung heraus wirkte. Und in dieser instinktgetragenen menschlichen Seelenverfassung, in der eine über den Menschen hinausgehende Weltennotwendigkeit wirkte, hat sich bis zum 15. Jahrhundert annähernd, indem die Menschen gewirkt haben im sozialen Leben, immer eine Art von Dreigliederung dieses sozialen Lebens ergeben. Die Instinkte haben, ich möchte sagen mit naturhafter Sicherheit — wenn ich mich dieses nicht ganz ordentlichen Ausdrucks bedienen darf — gewirkt. Die Menschen haben aus den Instinkten heraus sich dem sozialen Organismus eingefügt, und durch dasjenige, was sie getan haben dabei, was sie bewirkt haben — sei es in diesen oder jenen Lebensstellungen, die selber dadurch entstanden sind, daß die Menschen aus den Instinkten heraus gewirkt haben —, ist eine gewisse Gliederung des sozialen Organismus nach der geistigen Sphäre hin, nach der rechtlichstaatlichen Seite und nach der wirtschaftlichen Seite entstanden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"4. Anthroposophie als Moralimpuls und soziale Gestaltungskraft","site_heading":null,"date":"1921-08-26","location":null,"word_count":314,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-26/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/77b/1921-08-26/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/77b/1921-08-26/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}