4. Anthroposophie als Moralimpuls und soziale Gestaltungskraft
Und dasjenige, wodurch der Mensch früher wahrhaftig eingreifen konnte in das soziale Leben, das waren ja die Instinkte, das war der Wille. Anthroposophie zeigt uns, wie der Mensch, indem sein Wille, indem seine Instinkte wirken, fortwährend aus einem Unterbewußten heraus schöpft, geradeso wie er die Kräfte aus dem Schlaf, der auch ein unterbewußter Zustand ist, herausschöpft. Anthroposophische Erkenntnis muß dasjenige, was der Mensch in bezug auf die eigentliche Wesenheit seines Willens erlebt, durchaus in Parallele setzen mit demjenigen, was er den Schlaf nennt. Es ist ein Schlaf, den wir fortwährend in uns herumtragen, indem wir unsere Willensimpulse aus dem Unbewußten heraus wirken lassen, geradeso wie die Erfrischungskräfte, die an unser Leben herantreten, herauswirken aus dem, was wir im Schlafe gewinnen. Aber in bezug auf das soziale Leben war dieses Unbewußte nur in einem gewissen Zeitraum möglich, es ist nicht mehr möglich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts.
Cite:
GA 77b/1921-08-26/p031 · edition original