Dritter Vortrag
Mit diesem zweiten Element verband sich etwas anderes für Nietzsche. Es verband sich das, was sich ihm ergab aus seinen philologischen Vertiefungen heraus: ein Sich-Hineinleben in die Art und Weise der griechischen Seelenverfassung, in dte Art und Weise, wie der Grieche sich auf seine Art hinweggeholfen hat über das unbefriedigende Dasein, wie Nietzsche meinte. Er vertiefte sich in den eigentlichen Sinn der griechischen Kunst, und ihm kam dieser Sinn so vor, als ob der Grieche voll empfunden hätte die ganze Tragik und den ganzen Schmerz des unbefriedigenden sinnlichen Daseins. Er meinte, daß der Grieche zur Kunst gegriffen habe, um sich hinwegzuheben über den sonst notwendigen Pessimismus des Daseins. Griechische Kunst, deren Wiedererneuerung Nietzsche auch für den modernen Menschen wünschte, war für ihn ein Trost, den die Menschheit suchte gegenüber der nur in pessimistischem Sinne zu erfühlenden äußerlichen Wahrnehmungswelt.