Dritter Vortrag
Darum konnte Nietzsche nicht diejenige Forderung erfüllen, die gerade vor den Erkennenden als eine so gewaltige in unserem Zeitalter hintritt. Fordert dieses Zeitalter von uns, daß wir uns nach einem Sils-Maria als Eremit zurückziehen, um mit unserer Zeit wenigstens leben zu können? Nein, dieses Zeitalter, gerade wenn es uns zum Kämpfer gegen die Epoche macht, dann fordert es von uns, daß wir uns mitten hineinstellen in das soziale Menschenleben, da hinein, wo die großen Probleme nicht in abgesonderten Theorien, wo sie lebensvoll einer Lösung entgegengeführt werden müssen. Nietzsche zeigt uns, was eine die Zeit echt erlebende erkennende Natur durchmachen muß; er zeigt uns die Tragik des Lebens einer solchen erkennenden Kämpfernatur. Aber er zeigt uns doch zugleich — so wahr er auch aus innerster Gesinnung heraus zum Kämpfer seiner Zeit gebildet war, so wahr es ist, daß dieser Kampf gegen das Agnostische in unserer Zeit notwendig ist —, daß ihm, Friedrich Nietzsche, dem tragischen Kämpfer gegen diese agnostische Epoche, die rechten Waffen fehlten zu diesem notwendigen Kampf. Nach diesen rechten Waffen muß man ausschauen; und es ist einmal meine ehrliche Überzeugung, daß für unsere Zeit diese rechten Waffen, diese Geisteswaffen allein die Mittel, die Forschungsweise, die Lebensimpulse der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft geben können.