Sechster Vortrag

GA 78/1921-09-03/p004 ·1921-09-03 · original (original)
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Erinnerung wird sehr häufig so vorgestellt, als ob sich an die äußere Wahrnehmung, die wir durch unsere Sinne machen, Gedanken anknüpfen und als ob wir während der Wahrnehmung, vielleicht noch etwas danach, diese Gedanken an das Wahrgenommene hätten, dann diese Gedanken irgendwie hinunterrollten in ein Unterbewußtes und aus diesem Unterbewußten bei entsprechender Anstrengung wiederum heraufkämen als erinnerte Vorstellungen. Eine Philosophieschule hat davon gesprochen, daß solche Gedanken oder Vorstellungen gewissermaßen unter die Schwelle des Bewußtseins hinuntergehen, um im entsprechenden Augenblick wiederum über diese Schwelle heraufzukommen. Es ist zwar eine bequeme Art zu denken, wenn man den Akt, der sich da vollzieht, so vorstellt, daß die Vorstellungen an den Wahrnehmungen zuerst erregt werden und dann, wenn wir sie nicht mehr haben, irgendwo herumspazieren oder herumschwimmen in einem Uhnterbewußtsein — über das man sich ja nicht eigentlich Gedanken macht — und dann wiederum heraufspazieren, wenn man sie braucht. Denn schon eine oberflächliche Betrachtung der menschlichen Seelenerlebnisse kann zeigen, daß dies ganz gewiß nicht so ist.

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