Wege zur Erkenntnis Höherer Welten
Ich erinnere daran, daß Goethe versucht hat, die einzelnen Schädelknochen als gestaltete, metamorphosierte Knochen von der Art der Rückenwirbel aufzufassen. Goethe hat eine Metamorphose, eine Umgestaltung der Rückgratswirbel in den einzelnen Kopfknochen gesehen. Zu einem gewissen Grade, allerdings modifiziert, ist das ja auch die Anschauung der heutigen Wissenschaft; nicht mehr ganz so, wie Goethe sich das vorgestellt hat, aber es ist das schon heute auch noch cine geltende Vorstellung. Nun ist aber mit dieser bloß morphologischen Ableitung der Kopfknochen nichts getan, sondern man muß noch weitergehen, wenn man die Beziehung des menschlichen Hauptes zu dem übrigen menschlichen Organismus — also beim Skelett wollen wir stehenbleiben — verstehen will. Da muß man nicht bloß an eine Umgestaltung denken, sondern man muß noch an etwas ganz anderes denken, wenn man die Frage aufwirft: Wie verhält sich zum Beispiel das Knochensystem, sagen wir in der Form der Arme oder der Beine, zu dem Knochensystem in der Form der Schädelknochen, der Kopfknochen? Da ist es so, daß man die Metamorphose, durch die das eine aus dem anderen hervorgeht, nur versteht, wenn man davon ausgeht, daß nicht nur eine Umgestaltung stattfindet, eine räumliche Umgestaltung in der Zeit, sondern daß noch etwas ganz anderes stattfindet, nämlich eine Art Umstülpung. Sie müssen nämlich, wenn Sie das gegenseitige Verhältnis verstehen wollen, sagen wir, der Beinknochen zu den Kopfknochen, die äußere Oberfläche der Kopfknochen mit der Innenfläche eines Hohlknochens, sagen wir, des Oberschenkels, vergleichen. So daß die Sache so ist, daß das Innere des Oberschenkelknochens nach außen gewendet werden müßte, außerdem noch seine Elastizität ändern müßte. Dann würde das Innere nach außen gekehrt erscheinen, und es würde die äußere Oberfläche eines Schädelknochens entsprechen der inneren Fläche eines Hohlknochens der Gliedmaßen. Und umgekehrt: Die äußere Fläche des Schienbeins entspricht nicht der äußeren Fläche der Schädeldecke, sondern der Innenfläche der Schädeldecke. Sie müssen sich also vorstellen, daß dabei etwas stattfindet wie beim Umstülpen eines Handschuhs. Das Innere wird nach außen gekehrt, gleichzeitig aber wird die Elastizität verändert. Es entsteht eine andere Form. Es ist also so, wie wenn man den Handschuh nicht nur umstülpt, sondern, nachdem man ihn umgestülpt hat, er durch andere Elastizitätskräfte eine völlig andere Form annehmen würde.