Das Wesen der Anthroposophie

GA 80a/1922-01-16/p008 ·1922-01-16 · original (original)
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Dasjenige, was der Mensch zu vollziehen hat, um zu seinen höheren, zu seinen übersinnlichen Erkenntnisfähigkeiten zu kommen, sind nicht äußere Maßnahmen, sind Maßnahmen, die sich im intimsten Inneren der Seele selbst vollziehen. Es sind gewisse Seelenübungen, Seelenübungen, die nach zwei Richtungen hinführen. Die eine Richtung ist eine gewisse Behandlung des Denkens, des Vorstellens, und die andere Richtung ist eine gewisse Behandlung des menschlichen Willens. So, wie das Vorstellen in jedem Menschen ist, so kann es durch gewisse Seelenübungen umgestaltet, weitergebracht werden, und ebenso der menschliche Wille. Dasjenige, was durch das Denken erreicht werden soll, das ist eine gewisse innere Erkraftung, eine gewisse innere Erstarkung des Gedankenlebens selbst zunächst. Man erreicht das nun nicht durch irgendwelche Willkür, durch eine willkürliche innerliche Beschaulichkeit oder dergleichen, sondern man erreicht es im Sinne anthroposophischer Forschung dadurch, dass man dem Denken selbst eine Art innerer Schulung zuteilwerden lässt, und zwar eine solche Schulung, die — ich möchte sagen — nach dem Prinzip arbeitet, nach dem wir sonst auch im Leben den Menschen stärker machen. Wenn ich ein ganz triviales Beispiel gebrauchen darf, so kann ich sagen: Wenn der Mensch irgendein System seiner Muskeln immer wieder und wieder in der Arbeit anstrengt, so wird dieses System besonders kraftvoll. Ganz dasselbe kann nun auch in Bezug auf das Vorstellen selbst erreicht werden. Man kann zum Beispiel Folgendes machen - und viele solcher Übungen sind in den genannten Büchern von mir angeführt worden —, man kann irgendeine Vorstellung oder eine Summe von Vorstellungen in den Mittelpunkt seines ganzen Seelenlebens stellen. Ich nenne das Meditation und Konzentration des Denkens. Man hat es wahrhaftig nicht mit irgendeiner Zauberei zu tun, sondern mit einer Fortentwicklung der ganz gewöhnlichen, normalen menschlichen Fähigkeiten. Man stellt also in den Mittelpunkt des Seelenlebens irgendeine Vorstellung, die man gut überschauen kann. Es wird häufig empfohlen — und mit Recht empfohlen —, dass man sich eine solche Vorstellung in einem Buch oder sonst wo aufsucht, sodass sie einem neu ist, oder dass man sie sich von einem erfahrenen anthroposophischen Forscher geben lässt, damit sie neu ist. Warum soll sie neu sein?

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