Das Wesen der Anthroposophie
Weil, wenn wir eine Vorstellung, die wir lange im Leben haben, oder auch kurz haben, weil eine solche Vorstellung, indem wir sie in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit rücken, allerlei Gedächtnisreste hervorruft. Da bleibt vieles im Unterbewussten und Unbewussten. Wir überschauen nicht das, was wir in die Seele hereinstellen, wenn wir aus unserem Wissensschatze eine solche Vorstellung oder Vorstellungsreihe entnehmen. Nehmen wir aber etwas, was uns ganz neu ist, oder irgendetwas, was wir uns geben lassen, dann kann nicht die Rede davon sein, dass da irgendwelche Reminiszenzen herauftauchen, sondern wir geben uns dann mit dem ganzen Seelenleben einem neuen, aber jetzt inneren Eindruck hin, einem Eindruck, den wir nur mit dem Gedanken fassen können. Wir geben uns mit dem ganzen Seelenleben möglichst intensiv zunächst einer solchen Vorstellung hin und wir versuchen, es bis zu einer solchen Lebendigkeit zu bringen in dem Ins-Auge-Fassen einer solchen Vorstellung, wie wir sonst eine Lebendigkeit haben, wenn wir einem äußeren Sinneseindruck gegenüberstehen. Dieses Betätigen der Seele an einem äußeren Sinneseindruck, das muss in jeder Beziehung das Vorbild jeder Übung sein, die zunächst der anthroposophische Forscher in seiner Seele vornimmt.
Cite:
GA 80a/1922-01-16/p009 · edition original