Das Wesen der Anthroposophie

GA 80a/1922-01-16/p022 ·1922-01-16 · original (original)
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Und wenn man nun zu solchen inspirierten Erkenntnissen vordringt, dann ist allerdings die erste Stufe das Erkennen der übersinnlichen Wesenheit der Seele, wie sie war vor der Geburt oder —- sagen wir - der Konzeption, wie sie sein wird nach dem Tode, die Erkenntnis der unsterblichen Wesenheit der Seele, aber man kann ja zu diesem unsterblichen Wesen der Seele nur vordringen dadurch, dass diese Seele zu einem leibfreien Erkennen gekommen ist, dass sie rein seelisch die durchsichtige Erkenntnistätigkeit ausübt, die sie sonst mit Hilfe des Gehirn- und Nervensystems ausübt. Diese ist unabhängig von Gehirn- und Nerventätigkeit. Und so wahr der Mensch sein muss eigentlich für das gewöhnliche Bewusstsein mehr oder weniger Materialist, wie der Materialismus recht hat für das gewöhnliche Bewusstsein, dass es gebunden ist an die physische Organisation, dass die physische Organisation zugrunde liegen muss seiner Tätigkeit, so wahr ist es auf der anderen Seite, dass, indem der Mensch solche Fähigkeiten entwickelt, wie ich sie hier beschrieben habe, er dann dazu gelangt, der Seele als Erkenntnisorgan sich frei zu bedienen. Dadurch dringt er nicht nur in die eben gekennzeichnete übersinnliche Welt ein, sondern auch in diejenige, die fortwährend um uns herum ist, von der die gewöhnliche Sinneswelt nur eine Offenbarung ist. Das heißt, jetzt kann der Mensch eindringen in eine Welt, die hinter den Sinneserscheinungen liegt, nicht etwa bloß durch eine philosophische Spekulation, sondern dadurch, dass er rein seelische Organe gebraucht, die er sich erst — ich möchte fast sagen, wenn es nicht philiströs klingen würde — mühsam errungen hat. Und da kommt man dann allerdings in Gebiete hinein, die einem von den heute geläufigen Vorstellungsarten noch sehr übel genommen werden.

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