Das Wesen der Anthroposophie
Ich will den folgenden angeben. Wir sind gewohnt, zu denken so, wie die äußeren Tatsachen laufen. Dasjenige, was früher ist, behandeln wir als Ursache, das Spätere als die Wirkung. Und wenn wir im gewöhnlichen Leben drinnenstehen, so denken wir das am Faden der äußeren Tatsachen. Derjenige, der nur so am Faden der äußeren Tatsachen denkt, sich also gewissermaßen rein passiv hingibt dem äußeren Tatsachenverlauf, der kann nicht jene Willensentfaltung erringen, die notwendig ist zum Behuf der übersinnlichen Erkenntnis. Derjenige aber, der zum Beispiel die Übung macht —- und immer wieder und wieder macht —, dass er [statt] am Faden der äußeren Ereignisse zu denken, sich diese äußeren Ereignisse rückwärts vorstellt, die letzten zuerst, die vorletzten dann und so weiter, und so weiter — sagen wir zum Beispiel den Verlauf eines Dramas vom letzten Akt zum vorletzten, drittletzten und so weiter, in möglichst kleinen Partien nach rückwärts verfolgt — oder die Erlebnisse, die er tagsüber gehabt hat, am Abend in einer Rückschau so betrachtet, dann ist dazu, wenn es ernsthaft gemacht werden soll, eine andere Willensanstrengung nötig, als diejenige ist, die verwendet wird, wenn er das Denken am Faden der äußeren Tatsachen fortlaufen lässt.
Cite:
GA 80a/1922-01-16/p028 · edition original