Das Wesen der Anthroposophie
Durch diese Erkenntnisfähigkeit, die er noch steigern kann dadurch, dass er sich, wenn er in dem Innern gewissermaßen diese Liebefähigkeit etwas erfasst hat, sich ihrer bewusst geworden ist, dass er die äußeren Tatsachen nun so verfolgt, dass er sich wirklich liebevoll in die einzelnen Naturreiche hineinversetzt — ich habe das in den Einzelheiten beschrieben - wie der Mensch, wenn er solche Erkenntnisfähigkeiten entwickelt, wie er das Leben der Pflanze vom Keim bis zur Frucht hin liebevoll verfolgt, sodass er nacherlebt, wie da Blatt um Blatt sich entfaltet. Ebenso kann man — ich möchte sagen — bei einer so entwickelten Liebefähigkeit untertauchen in die tierische Organisation und so weiter. Wenn man auf solche Weise auch das Willensleben verstärkt und dazu übergeht, in ernsthafterer Weise als gewöhnlich sich selbst zu beobachten als handelnder Mensch, wenn man so objektiv, wie sonst nur die äußeren Gegenstände, sich selbst in seinem Handeln beobachtet, wenn man sich angewöhnt, wie ein Zweiter neben sich zu gehen und sich stets zuzuschauen bei seinen Willensentfaltungen, dann kommt der Wille dazu, nicht bloß die Inspiration sich im Menschen entfalten zu lassen, sondern dasjenige, was da hereinspricht in die menschliche Seele aus einer geistigen Welt, das auch mitzuerleben durch die Imagination, dann kommt der Mensch dazu, seine eigene Seele zu einem lebendigen Erkenntnisorgan für das Geistige zu machen. In der Inspiration dringt noch nicht auf deutliche Weise die geistige Welt, sich offenbarend, in die Seele herein. In der dritten Stufe, die ich die Intuition — die wirkliche Intuition, nicht jene verschwommene, von der man auch im äußeren Bewusstsein spricht — genannt habe, in dieser Intuition dringt der Mensch wirklich in die geistige Welt ein.
Cite:
GA 80a/1922-01-16/p030 · edition original