Das Wesen der Anthroposophie
Und — meine sehr verehrten Anwesenden — anthroposophische Erkenntnis gibt eben Menschenerkenntnis. Man kann verfolgen mit ihr, wie das Geistig-Seelische von dem ersten Lebensaugenblick beim Kinde sich auslebt, immer mehr und mehr in die äußere physische Form plastisch hineinwirkt dasjenige, was geistig-seelisch ist. Man kann gewisse Gesetze finden, die anders sind im Kinde bis zum Sprechenlernen, dann wiederum anders sind bis zum neunten Lebensjahr etwa, dann wiederum bis zur Geschlechtsreife. Man kann das Kind ganz und gar kennenlernen, man braucht kein Revolutionär zu werden in Bezug auf die Grundgesetze des Lebens. Dasjenige, was wir brauchen, ist praktische Menschenerkenntnis. Anthroposophie will nicht revolutionierende neue Grundsätze um jeden Preis schaffen, sie will das Kind so kennenlernen, dass derjenige, der mit Unterricht zu tun hat, das alles, was an Lehrplan, an Lehrziel entfaltet wird, gewissermaßen ablesen kann an der geistigseelisch-leiblichen Erkenntnis, zu der es Anthroposophie bringen kann, wie ich es mir erlaubt habe zu beschreiben.
Cite:
GA 80a/1922-01-16/p048 · edition original