Das Wesen der Anthroposophie

GA 80a/1922-01-16/p050 ·1922-01-16 · original (original)
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Wir haben es erlebt in der neueren Kultur, dass das Denken, die ganze Vorstellungsart, welche hervorgeht einfach aus der naturwissenschaftlichen Denkweise, uns hineingeführt hat in eine soziale Weltauffassung und Lebensanschauung, die nun ihre furchtbar zerstörenden Früchte vor allen Dingen im Osten Europas treiben. Wir haben es erlebt, was das rein naturwissenschaftliche Leben, das nicht zum Geiste vordringen will, auf sozialem Gebiete für Früchte trägt. Dasjenige, was an Anthroposophie zur Offenbarung kommen soll, soll nicht bloß erfassen den Menschen als ein Naturwesen und ihn auch in das soziale Leben hineindenken als Naturwesen, sondern ihn erfassen als Wesen von Leib, Seele und Geist. Und auf diesem Wege kann Anthroposophie das soziale Leben befruchten. Das kann sich allerdings nur nach und nach zeigen, es muss sich allmählich in einzelnen praktischen Dingen ausleben, die auch schon verfolgt worden sind. Davon will ich nicht sprechen, aber davon, dass auch die Nationalökonomie, die aus rein äußeren Anschauungen entstanden ist, eine vorzügliche Kritik erfahren hat durch Emil Leinhas, sodass hier, in seinem Vortrag «Der Bankrott der Nationalökonomie», der jetzt auch gedruckt vorliegt, ein Weg gezeigt wurde, wie in das soziale Leben Geistigkeit eingeführt werden kann. Aber nicht bloß so wird hier das soziale Leben seinen entsprechenden Richtungen entgegengeführt, wie bei einem, der zu einem Ofen spricht: Lieber Ofen, deine Aufgabe ist es, das Zimmer warm zu machen, also mache es warm. Das hilft bekanntlich nichts, sondern man muss dem Ofen Heizmaterial zuführen, dann kommt das Warmmachen von selbst. Durch Zureden, durch einen kategorischen Imperativ, wird das soziale Leben nicht seinen entsprechenden Richtungen entgegengeführt. Das kann einzig und allein dadurch erreicht werden, dass man von den Kräften Gebrauch macht, die wirklich ins praktische Leben eingeführt werden können.

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