Anthroposophie und die Rätsel der Seele
Wir unterscheiden — ich habe ja das schon öfter hier erwähnt — im gewöhnlichen Lebensverlaufe des Menschen dann zwei Bewusstseinszustände, von denen eigentlich nur der eine ein deutlicher Bewusstseinszustand ist, wir unterscheiden den Wachzustand und den Schlafzustand. Im Schlafzustande hört das bewusste Vorstellungsleben auf, das ganze Seelenleben sinkt hinunter in ein mehr oder weniger finsteres Dunkel. Aber wir können eigentlich, wenn wir ganz unbefangen auf dieses unser Seelenleben auch im Wachzustande hinblicken, wir können eigentlich nur davon sprechen, dass in Bezug auf alles dasjenige, was vorstellungsmäßig ist, wir wirklich wach seien. Wir haben uns gewissermaßen als wache Menschen in der Hand, insoferne wir unser Bewusstsein angefüllt haben mit klaren Vorstellungen, mit lichtvollen Gedanken. Wir begleiten auch unsere Willensimpulse, wir begleiten unsere Handlungen mit Gedanken. Aber vollständig dunkel bleibt es selbst bei der einfachsten Bewegungshandlung des menschlichen Leibes, wie der Gedanke des Bewusstseins zusammenhängt mit demjenigen, was eigentlich bei einem Willensimpuls, bei einem Handeln vor sich geht. Wie dunkel ist es doch, was eigentlich im Innern des Armes geschieht, wenn ich nur diesen Arm hebe, wenn der Gedanke, der als Ziel dieses Armheben hat, sich verwirklichen will, gewissermaßen hineinschießen will und willentlich den Arm in Bewegung setzen will.
Cite:
GA 80a/1922-01-17/p008 · edition original