Anthroposophie und die Rätsel der Seele

GA 80a/1922-01-17/p009 ·1922-01-17 · original (original)
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Was da im eigenen Organismus vor sich geht, das entzieht sich dem wachen Tagesbewusstsein ganz genau so wie dasjenige, was im Menschen seelisch eigentlich vorgeht vom Einschlafen bis zum Aufwachen, sodass wir eigentlich durchaus sagen müssen: Es ist für dieses menschliche Seelenleben so, dass wir auch im Wachzustande einen Einschlag des Schlafens haben, dass uns der Schlafenszustand fortwährend durchdringt und dass wir nur im Vorstellen selber, im Erleben lichtvoller, klarer Gedanken, vollständig wach sind. Zwischen diesen beiden Zuständen, zwischen dem — ich möchte sagen — vollständig wachen Vorstellungszustand und dem in Dunkelheit eingetauchten Willensleben liegt, an beiden teilnehmend, das Gefühls-, das Gemütsleben. Unsere Gefühle durchdringen unsere Vorstellungen. Wir bringen aus unseren Gefühlen gewisse Sympathien und Antipathien in das Vorstellungsleben hinein, verbinden dadurch unsere Vorstellungen meist, oder trennen sie. Wir begleiten dasjenige, was in unsere Willensimpulse einfließt, mit unserem Gefühlsurteil, indem wir die einen Handlungen als pflichtgemäß empfinden, die anderen als Verfehlungen gegenüber der Pflicht. Und indem wir den pflichtgemäßen Handlungen gegenüber eine gewisse Befriedigung des Gefühls haben, oder ein gewisses Unbefriedigtsein gegenüber, was uns nicht gelingen kann, oder was wir aus einem anderen Grunde verfehlen, so flutet zwischen dem Vorstellungsleben und dem Willensleben das Gefühlsleben hin und her.

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