{"corpus":"steiner","locus":"GA 80a/1922-01-17/p019","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es ist jetzt fast ein halbes Jahrhundert her, da hat der große Physiologe du Bois-Reymond auf der 45. Naturforscherversammlung in Leipzig eine Rede gehalten, auf die immer wiederum hingewiesen werden muss, trotzdem außerordentlich viel über sie gesprochen worden ist und sie heute fast vergessen und aus der Diskussion verschwunden ist. Diese Rede handelte über die «Grenzen der Naturerkenntnis», und du Bois-Reymond gibt mit Recht auf der einen Seite an die Grenze des Naturerkennens, die materielle Welt in ihrem Wesen. Er sagt: Da hinein, wo Materie kommt, kann der menschliche Geist nicht eindringen. — Er dringt in die äußere Beobachtung der äußeren Sinneserscheinungen zu der Offenbarung des materiellen Daseins, aber er kann nicht angeben, was eigentlich die Materie selber ist. Das gibt du Bois-Reymond als die eine Grenze an. Die andere Grenze gibt er als diejenige des menschlichen Bewusstseins, das ist heute aber nichts anderes als des menschlichen Seelenlebens, an. Er sagt: Mit der vollkommensten Naturerkenntnis kann man noch nicht einmal irgendeine Vorstellung gewinnen darüber, wie die allereinfachste Empfindung in der Menschenseele zustande kommt. Wenn man auch ganz klar wüsste, wie im Menschengehirn sich bewegen Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Stickstoff-, Sauerstoff-Atome, man würde niemals aus der klaren Einsicht in diese Bewegungen ergründen können, wie die einfachste Empfindung — «ich sehe rot», «ich rieche Rosenduft» — zustande kommt, das heißt wie die ersten Elemente des Seelenlebens zustande kommen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Anthroposophie und die Rätsel der Seele","site_heading":null,"date":"1922-01-17","location":null,"word_count":224,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-17/p019","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/80a/1922-01-17/p019"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/80a/1922-01-17/p019","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"other_renderings":{"loci":[{"locus":"GA 297a/1922-01-17","ga":"297a","lecture":"1922-01-17","kind":"reprint","relation":"the same text served under another volume (a reprint or another edition)"}],"note":"The same lecture is also served at the loci listed, each with how it relates to this one. They are ONE witness, not independent attestations: quote the rendering you fetched, and do not cite another as corroborating it. Wording differs between translations, so a quotation found in one need not occur in the other."}}