Anthroposophie und die Rätsel der Seele

GA 80a/1922-01-17/p027 ·1922-01-17 · original (original)
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Wir blicken hin auf das eben geborene Kind. Wir wissen - meine sehr verehrten Anwesenden —, dass in diesem eben geborenen Kind, vom Gehirn ausgehend, die bildsamen, die plastischen Kräfte arbeiten an der Gestaltung des Leibes. Wir verfolgen das Wachstum des Kindes, wie es ausstrahlt gerade von der plastischen Gehirntätigkeit, wir verfolgen es bis zu einem gewissen Einschnitte in das menschliche Erdenleben, bis zum Zahnwechsel, bis gegen das siebente Lebensjahr hin. Wir werden, indem wir dieses Kraftleben, das da im Menschen pulsiert, das plastisch in ihm tätig ist, indem wir das zunächst als ein Unbestimmtes empfinden. Wir werden auf der anderen Seite, indem wir unser Vorstellungsleben durch Meditation, durch Konzentration kraftvoll ausgestalten, unbewusst zu demselben Element hingeführt, das so plastisch von unserer ersten Kindheit an in uns arbeitete. Und das ist eine bedeutsame Entdeckung des inneren menschlichen Lebens, dass man das Vorstellungsleben so erkraften kann, dass man es so innerlich intensiv machen kann, dass man sich denn darinnen fühlt in demjenigen, was des Menschen Bildekräfte sind, was Bildekräfte sind in seinem Wachstum, in seinem Stoffwechsel. So sonderbar es für die heutige Forschung noch klingt. Es ist so, dass es möglich ist, durch eine Verstärkung des Seelenlebens in dasjenige hineinzuwachsen, was uns gewissermaßen dann aufnimmt als dasjenige, was unsern äußeren physischen Leib als seine Bildekräfte plastisch gestaltet. Man wächst durch das Vorstellungsleben in die Wirklichkeit hinein, man wächst in ein gestaltendes Element hinein. Und man lernt auf diese Art kennen — meine sehr verehrten Anwesenden — dasjenige, was hinter dem bloßen Gedankenprozess liegt. Man lernt erkennen, wie ein Geistiges, mit dem man sich jetzt verbunden hat, am menschlichen Organismus von der Geburt bis zum Tode arbeitet. Das Vorstellungsleben bekommt seine Realität, das Vorstellungsleben ist nicht mehr das bloße Bildleben, das Vorstellungsleben wird ein Kraftleben, das im Dasein selber drinnensteht.

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