Anthroposophie und die Rätsel der Seele

GA 80a/1922-01-17/p029 ·1922-01-17 · original (original)
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Das, was da vorliegt, habe ich - meine sehr verehrten Anwesenden — im Beginne der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in meiner «Philosophie der Freiheit» ausgeführt, indem ich gezeigt habe, dass der Mensch ein freies Wesen dadurch ist, dass er eben gerade in den reinen Gedanken, die nicht mit irgendeiner äußeren Realität für sein Bewusstsein zusammenhängen, leben kann, dass er in diesen reinen Gedanken seine moralischen Impulse formen kann. Spiegelbildern gegenüber wird man so dastehen, dass man selber irgendetwas ausführen muss, wenn das Spiegelbild sich ändern soll; Spiegelbilder bestimmen einen nicht kausal. Der Mensch würde niemals frei, wenn er von einer Realität in seinem gewöhnlichen Bewusstsein bestimmt wäre. In seinem gewöhnlichen Bewusstsein leben die Vorstellungen als Bilder. Dadurch wird er von ihnen nicht bestimmt, wie man durch Spiegelbilder auch nicht bestimmt wird. Er ist frei. Damit er frei sein kann, muss sich sein Leben herausheben aus demjenigen, was es plastisch als Wachstumskraft, als Wachstumsleib — könnte man sagen —, als Bildekräfteleib durchzieht. Aber dieses Leben in der Freiheit muss der Mensch eben mit der charakterisierten ängstlichen Unterströmung in seinem Seelenleben erkaufen. Und daher muss der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewusstsein dazu kommen, seine Freiheitsempfindung voll zu erleben, aber auch als polarischen Gegensatz entgegenstellen können diesem Freiheitserlebnis dasjenige, was Anthroposophie geben kann als Befestigung des Vorstellungslebens in der angedeuteten Weise.

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